Autorenträume
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Die Anthologie Autorenträume

Wovon Autoren träumen

Autoren, das ist doch klar, träumen davon, mindestens einen Bestseller zu landen, bedeutende Preise einzuheimsen, viel Geld zu verdienen und ob ihrer Schreibkünste bewundert zu werden. Oder etwa doch nicht? Petra Hartmann und Monika Fuchs wollten einmal wissen, wovon all die Menschen, die Romane, Geschichten, Damen oder Gedichte schreiben, träumen und starteten eine Ausschreibung. Heraus kam die Anthologie Autorenträume, die im Mai 2013 im Verlag Monika Fuchs erschien – und weil natürlich auch die Schriftsteller aus der Region Ulm/Neu-Ulm Träume haben, ist mit Adi Hübel auch eine Ulmerin im Buch vertreten.

Eine Ausschreibung und ihre Folgen

Alles begann der Einführung zufolge damit, dass die Verlegerin Monika Fuchs angesichts eines Stapels ungelesener Manuskripte darüber nachdachte, was die Menschen eigentlich dazu treibt, immer wieder neue Geschichten zu Papier zu bringen und „in die Welt hinauszusenden“. So entstand die Idee, eine Anthologie über Autorenträume zu veröffentlichen. Weil sie sich mit der Herausgabe von Anthologien nicht auskannte, nahm sie Petra Hartmann, eine Journalistin und Schriftstellerin, die damit bereits Erfahrung hatte, mit ins Boot. Die beiden starteten eine Ausschreibung, und weil sie natürlich nicht wollten, dass die Mehrzahl der Autoren einfach nur davon erzählt, reich und berühmt werden zu wollen, lautete der Auftrag, die Träume literarisch zu verpacken, in Kurzgeschichten, Essays, Gedichte und andere literarische Formen. Auch durften sie nicht nur von Sehnsüchten, sondern auch von Alpträumen erzählen, nicht nur von den Wünschen, sondern auch von den Ängsten, die sie umtreiben; von dem, was sie antreibt und von dem, was sie durchhalten lässt.

Worte aus dem Second-Word-Shop

Mehr als dreihundert Beiträge bekamen Fuchs und Hartmann schließlich für ihre spezielle Anthologie, von der ein Euro pro verkauftem Buch an die von Tanja Kinkel mitbegründete Stiftung „Brot und Bücher“ geht, eingereicht. Knapp sechzig Texte, überwiegend sind es Kurzgeschichten, aber auch Lyrik, Essay und Dramolett kommen zu Ehren, wurden in das besondere Lesebuch aufgenommen. Für den einen oder anderen Autor war es die erste Veröffentlichung, alle anderen haben schon in Verlagen oder in Zeitschriften veröffentlicht. Etliche sind Ruheständler, die nun Zeit haben, sich intensiver dem Dichten zu widmen, manche üben Berufe aus, die mit dem Schreiben gar nichts zu tun haben und einige leben davon, zum Beispiel der Autor und Schauspieler Peter Raffalt, der als Schwager von Theatermann Matthias Hartmann vor allem einige Stücke für die Schauspielhäuser in Bochum und Zürich sowie das Wiener Burgtheater schreiben durfte.

Das, was in diesem Buch an Originellem heraussticht, und das sind einige Texte, ist jedoch häufig von Autoren, die bislang selten oder sogar erstmals etwas veröffentlicht haben. Der Autor Mango etwa, Jahrgang 1990, erzählt von Phantast, einem einfachen Mann, der tagein tagaus ins Büro ging, insgeheim jedoch davon träumte, tausende und abertausende Menschen in ungeahnte Orte voller Grauen und Schönheit zu entführen, war er selbst doch schon häufig Opfer eines solch „dreckigen schlitzohrigen Packs“ von Entführern geworden. Bereits in etlichen Anthologien veröffentlicht hat Birgit Jennerjahn-Hakenes, die sich die Geschichte von Herrn Stich ausgedacht hat, der, als ihm beim Schreiben die Wörter ausgehen, einfach einen Second-Word-Laden eröffnet, in dem er fortan gebrauchte Worte annimmt. Wörter aber kommen nur durch das Aneinanderfügen von Buchstaben zustande und diese haben mitunter ihren eigenen Willen, wie Frederike Frei zu erzählen weiß.

Die Geschichte eines kecken Huhns

Originell sind nicht nur etliche Storys, sondern auch manche Gedichte, beispielsweise Hans Gärtners Ja nun, das von einem kecken Huhn erzählt, welches es schafft, dass wenigstens ein paar seiner Gedichte gedruckt werden. Weniger gelungen sind jene Texte, die gerne bedeutend wären, es aber halt leider nicht sind. Dafür ist der Essay von Hahnrei Wolf Käfer sehr interessant und bestens dafür geeignet, an den Anfang gestellt zu werden. Als Essay ist er eher eine Ausnahme, denn häufig verpackten die Autoren ihre Träume, Alpträume und Wünsche in phantastisch anmutende Geschichten, die sie ihre Figuren erleben lassen. In vielen Texten kommt auch das Sterben nicht zu kurz und Mona Yilmaz lässt ihre Autorin gar sämtliche Personen ermorden, die ihre literarische Karriere verhindern.

Erstaunlich ist nur, dass keine Figur ihre Autorenkollegen aus Neid umbringt, weil sie doch eigentlich der viel besseren Schriftsteller ist. Will etwa keiner dieser (Hobby-)Dichter Neid kennen oder kennengelernt haben, wo doch jeder, der jemals mit Autoren zu tun hatte, weiß, dass dies unmöglich ist? Doch halt, Adi Hübel lässt ihren Dichter zwar auch keinen Mord begehen, aber ordentliche Neidgefühle auf die Kollegin, deren Lesung er gerade besucht, empfindet er schon. Hätte ansonsten auch glatt was gefehlt in dieser, übrigens sehr hübsch gestalteten, Wundertüte, die allerlei literarisch verpackte Autorenträume enthält.   

Petra Hartmann, Monika Fuchs (Hg.): Autorenträume. Ein Lesebuch, Verlag Monika Fuchs, 336 Seiten, 16,90 Euro. Erschienen im Mai 2013.

22. September 2013

 

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