Der rote Milan
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Evelyn Rheingolds Roman Der rote Milan

Die Gräfin und der edle Ritter

 

Buch-Vorderseite_Der_rote_Milan_niedrigEinen Roman für alle hoch romantisch veranlagten Frauen, die den ganz großen Kitsch lieben hat Evelyn Rheingold verfasst. Der Rote Milan, erschienen 2010 in der Süddeutschen Verlagsgesellschaft, erzählt eine Liebesgeschichte, die den Plänen Maximilians I. und des englischen Königs Heinrich VIII. zuwiderläuft.

Eine ausgemachte Sache

Ins 16. Jahrhundert also, hat sich die in Laupheim wohnende Evelyn Rheingold, der Name ist ein Pseudonym, für ihr Buch Der rote Milan begeben. Man schreibt den Juni 1510 als die Geschichte beginnt. Gute zwei Jahre zuvor hat Maximilian I., seit 1493 römisch-deutscher König, die Kaiserwürde angenommen, England und Irland werden seit April 1509 von Heinrich VIII. regiert, der kurz nach Beginn seiner Regentschaft seine erste Ehefrau Katharina von Aragón geheiratet hat. In diese Realitäten hinein gestaltet Evelyn Rheingold ihre Geschichte, folglich kündigt das Cover einen historischen Roman aus der Zeit Heinrichs VIII. an. In allererster Linie handelt es jedoch um einen Liebesroman, da die damaligen Zustände nur den Rahmen für eine große Romanze bilden. Diese hat ihren Ursprung darin, dass Christian von Artenberg, ein angesehener, kampferprobter Ritter Maximilians I. und von allen nur der rote Milan genannt, zu seinem Kaiser gerufen wird. Er und sein Freund Eduard von Stemmberg sollen die seit zwei Wochen verwitwete Gräfin Viktoria von Dannheim nach England bringen, Maximilian hat sie nämlich zur Festigung der Beziehungen Heinrich als Ehefrau versprochen.

Christian von Artenberg sieht kein Problem darin, schließlich hat er seinem Kaiser stets treu gedient und dass Heinrich noch verheiratet ist, ist dessen Sache, obendrein hat ihn der Kaiser als Belohnung für seine hervorragenden Dienste zum neuen Burgherrn von Dannheim gemacht. Viktoria von Dannheim allerdings, möchte auf keinen Fall mit Heinrich vermählt werden, doch von Artenberg macht ihr unmissverständlich klar, dass ihre Wünsche keine Rolle spielen und so beschließt sie, ihm zu folgen und unterwegs zu fliehen. So macht sich der Tross also mit Viktoria und deren Zofe Anna auf den Weg. Doch bei Heinrich kommt die Braut nie an, denn Christian von Artenberg verhilft ihr schließlich selbst zur Flucht. Dass das nicht im Interesse Heinrichs und Maximilians ist, ist klar und so müssen die Beiden und ihre Begleiter einiges durchstehen.

Eine leidenschaftliche Romanze

Leichter und schwieriger zugleich wird dies dadurch, dass Gräfin und Ritter einander lieben, und dass es dazu kommen würde, zeichnete sich schon bald ab. Schon bei der ersten Rast, noch bevor sie in Antwerpen das Schiff nach England besteigen, will Viktoria sich am Fluss frisch machen, doch inmitten von diesem, an einer seichten Stelle, liegt der rote Milan und lässt seinen nackten Körper von dem kühlen Wasser umspielen. Natürlich kommt es zu einem höchst bedeutsamen Geplänkel, natürlich muss sich die Angelegenheit noch ein wenig hinziehen, obwohl Annas Zofe irgendwann sagt „seit ER die Burg von Dannheim betreten hat, sehen deine Augen nur noch ihn!“, aber letztlich kommt es doch wie es kommen muss: Auf der Flucht, schon gesucht von Heinrichs Mannen, begeben sie sich zu Bett und „heftig führte er sie beide zum gemeinsamen Himmel“.

Auch diese beispielhaft herausgenommenen Sätze zeigen, dass sich das Buch zweifellos nicht an die Liebhaber anspruchsvollerer Literatur richtet, alle aber, die ein großes Herz für gefühlvolle Romanzen mit allem was dazugehört haben, und das sind wohl vor allem nicht wenige Frauen, werden diesen Roman lieben.

Evelyn Rheingold: Der rote Milan, Süddeutsche Verlagsgesellschaft, 472 Seiten, 9,80 Euro. Erschienen im Oktober 2010. 

3. Januar 2012

 

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