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Das Literaturportal für die Region Ulm/Neu-Ulm

Adi Hübel, Jörg Neugebauer und die Leipziger Buchmesse

 

Jedes Jahr im März treffen sich in Leipzig Verlage, Autoren und Bücherfreunde auf der Leipziger Buchmesse, die heuer vom 17. bis 20. März stattfindet und auch dieses Jahr wird man wieder hören und lesen können, welche prominenten Autoren zu Gast waren und wer welchen Preis gewonnen hat. Doch auch wenn sich die Medien nur für die großen Namen interessieren, so ist Leipzig doch auch ein Treffpunkt für die vielen, die man in der breiten Öffentlichkeit nicht kennt und immer wieder mal sind auch auch Autoren aus der Region Ulm/Neu-Ulm zu Gast und präsentieren ein neues Buch. Im vergangenen Jahr hatte Adi Hübel die Gelegenheit, im Rahmen der sächsischen Bücherschau ihren Lyrikband Versprechen vorzustellen. fehrgelesen fragte sie deshalb, was sie über die Buchmesse zu sagen hat. Literarisch auch seit langem aktiv, ist Jörg Neugebauer, Grund genug also, auch bei ihm anzufragen, ob er denn schon einmal in Leipzig zu Gast war und, gesetzt den Fall, was er über die große Literatursause zu berichten hat.  

Adi Hübel über Chaos, Ruhepunkte und eine gut besuchte Lesung

Frau Hübel, vergangenes Jahr präsentierten Sie auf der Leipziger Buchmesse Ihren Gedichtband Versprechen, was erlebt man denn so als Autor auf der Buchmesse, beschreiben Sie doch mal wie so ein Besuch abläuft?

Zunächst erlebt man Schwierigkeiten bei der Zimmersuche, volle Straßenbahnen, Schlangen an den Eingangskassen, eine Menge von Menschen die sich durch die Hallen schieben. Erst einmal also das Chaos. Langsam kann man sich dann orientieren, sucht sich interessante AutorInnen aus, die man hören möchte und trifft sich mit Kolleginnen und Verlagsvertretern die man von Workshops und Tagungen kennt. Spannend sind auch die vielen jungen Leute in Kostümen, die ihre Lieblingsfiguren aus den Comics und Mangas verkörpern. Das macht das Ganze sehr bunt und lebendig. Der „eigene“ Verlagsstand ist auf einer solchen Messe ein sehr wichtiger Ruhepunkt.

Waren Sie 2009 erstmals auf der Leipziger Buchmesse?

Ja, ich war zum ersten mal überhaupt auf einer Buchmesse.

Strömen die Besucher vor allem zu den prominenten Autoren oder finden sie auch den Weg an die Stände kleinerer Verlage und weniger prominenter Autoren?

Natürlich wollen die Besucherinnen und Besucher möglichst viele der prominenten AutorInnen sehen und auch hören. Aber durch die unglaubliche Menge an Menschen kommen auch zu den kleineren Verlagen die Interessierten, blättern in den ausgestellten Büchern und reden mit den anwesenden AutorInnen. In übrigen lernt man hier auch einige andere AutorInnen seines Verlagen kennen.

Kommt man ins Gespräch mit bekannten Schriftstellern?

Leider nein. (Wollte ich schreiben, nehme ich aber wieder zurück). Ein einfaches Nein reicht. Die bekannten AutorInnen sitzen auf dem blauen Sofa, lesen auf den Leseinseln der Radios und des TV und signieren manchesmal auch ihre Bücher. Alles in allem sind diese Menschen auch ziemlich im Stress, da wollen sie gewiss nicht mit einer Schreiberin aus Ulm quatschen.

Besuchen Sie auch heuer die Buchmesse und wenn ja: Haben Sie wieder ein Buch vorzustellen oder sind Sie privat dort?

Ja, ich fahre wieder nach Leipzig. Mein Zimmer habe ich schon letztes Jahr reserviert. Dieses mal bin ich mehr oder weniger privat dort. Einen neuen Gedichtband habe ich nicht vorzustellen. Mein neuer Ulm-Krimi ist eben beim Verlag und wird wahrscheinlich nicht mehr vor Leipzig erscheinen.

Ihr Favorit? Leipzig oder Frankfurt?

Frankfurt kenne ich nicht, deshalb ist Leipzig mein Favorit. Ich denke, dass Frankfurt eher für den Buchhandel ist, Leipzig dagegen mehr für AutorInnen und Lesende bietet.

Ihr schönstes Leipziger-Buchmessen-Erlebnis?

Da gibt es gleich zwei. Zum einen war die Lesung im Gohliser Schlösschen sehr sehr gut besucht. Der Rahmen war für eine Lyrik-Lesung ideal. Zum anderen ist es schön, wenn man am Eingang der Messe auf der Ankündigungstafel den eigenen Namen liest.

Und der Stress auf so einer Messe?

Hält sich in Grenzen. Es gibt viel zu sehen und zu hören, aber auch immer wieder Ruhepunkte, teils verbunden mit Lesungen, die spannend sind. Außerdem kann man sich ja am Abend und dann auch zuhause wieder erholen.

Jörg Neugebauer über Promis, Stress und Sauerbier

Herr Neugebauer, waren Sie schon einmal auf der Leipziger Buchmesse?

Ja, dreimal.

Was erlebt man als Autor auf der Leipziger Buchmesse, wie läuft ein Buchmessebesuch ab?

Das hängt stark davon ab, was für ein Autor du bist. Bei den Promis kommt das Fernsehen und liegt der rote Teppich aus. Im andern Fall trifft man sich unbemerkt mit seinem Verleger und anderen Autoren aus dessen Verlag, man macht eine mehr oder weniger gut besuchte Lesung, das Ganze hat eher familiären Charakter.

Profitiert man als Autor, der in einem kleinen Verlag veröffentlicht und keine massentauglichen Bücher schreibt von einem Buchmessebesuch oder geht man in der Masse unter?

Dem Verlag geht es vor allem darum, dort eben Präsenz zu zeigen. Viel hängt davon ab, zu welcher Zeit und an welchem Ort man dran ist mit seiner Lesung. Die besten Zeiten sind schwer zu bekommen. Und selbst schöne, gut besuchte Lesungen wie zum Beispiel abends im Gohliser Schlößchen bieten keine Gewähr, dass man davon "profitiert" über das Ereignis als solches hinaus. Man trifft aber auch viele Bekannte - wenn man seine Erwartungen nicht zu hochschraubt, ist ein Messebesuch auf jeden Fall lohnend.

Lernt man auf der Leipziger Buchmesse interessante Leute kennen oder bleibt dafür einfach keine Zeit?

Wenn man es darauf anlegt, kann man schon welche kennen lernen. Die Verlagsagenten und oft die Verleger selbst stehen ja viel an ihren Ständen herum. Freilich ist es nicht jedermanns Sache, die dann anzuquatschen, obwohl das üblich ist und keiner es einem krumm nimmt. Ob sich daraus dann etwas ergibt, ist freilich eine andere Frage.

Ihr Favorit? Leipzig oder Frankfurt?

In Frankfurt war ich nie auf der Messe.

Ihr schönstes Leipziger-Buchmessen-Erlebnis?

Die Verleihung des Literaturpreises des Freien Deutschen Autorenverbands an Gabor Görgey 2008. Zumal Görgey auch so eine beeindruckende Persönlichkeit ist. Und ich damals schon wußte, dass ich dann in Mainz den FDA-Förderpreis bekommen würde. Sowas freut einen ja doch.

Und der Stress auf so einer Messe?

Ist riesig. Ein enormer Lärmpegel, man wird von der Masse durch die Hallen geschoben, will die Augen überall gleichzeitig haben, denkt ständig, man würde irgendwas Wichtiges gerade verpassen. Da tut man dann gut daran, sich in angenehmer Gesellschaft abends in der Traditionsschenke "Ohne Bedenken" bei einem frischen Glas Leipziger Sauerbier zu erholen.

Vielen Dank an Adi Hübel und Jörg Neugebauer für die Interviews. Mehr über die Leipziger Buchmesse finden Sie auf der Website des Veranstalters.

22. Februar 2011

 

Frankfurter Buchmesse

 

Fast 300 000 Besucher, rund 2900 Veranstaltungen, mehr als 7300 Aussteller, rund 10 000 Journalisten, etwa 172 000 Quadratmeter Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche, das sind die Zahlen, die die Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr präsentierte. Vielleicht nicht unbedingt das Richtige für den feinsinnigen Literaturliebhaber, aber für ihn ist die Veranstaltung ja auch nur in zweiter Linie gedacht. In erster Linie handelt es sich um eine Fachmesse, und als solche ist sie vor allem dazu da Geschäfte anzubahnen. So wird es auch heuer wieder sein, wenn die größte Buchmesse der Welt am 13. Oktober eröffnet wird.

Wie’s kam

Als wir am oberen Ende der Treppe angelangt waren, traten wir aus dem Ostturm in das Skriptorium, und im selben Moment entfuhr mir unwillkürlich ein bewundernder Ausruf, schreibt Adson Melk in Umberto Ecos Name der Rose, angemessen begeistert von diesem besonderen Ort in dem so etwas Großartiges wie das Übersetzen, Vervielfältigen und Verzieren von Büchern geschieht. Schon fühlt man sich selbst in ein Skriptorium versetzt, sieht sich als Schreiber, oder auch als Rubrikator, eine farbige Initiale oder Überschrift gestaltend, ganz konzentriert und in aller Ruhe, bevor das Buch weitergeht an den Illustrator, der ebenso ruhig und konzentriert Bordüren, Blümchen und Miniaturen hinzufügt und nach einer kleinen Ewigkeit ist ein Buch fertig. So geht das Jahr für Jahr, irgendwann übernehmen Nachfolger und deren Nachfolger die Tätigkeit bis Mitte des 15. Jahrhundert Johannes Gutenberg den, in geringem Umfang schon möglichen, Buchdruck revolutioniert und auf einmal in viel kürzerer Zeit viel mehr Exemplare eines Buchs hergestellt werden können, die nun auch verkauft werden wollen.

Einer von jenen, die daraufhin die Entstehung des Verlagsbuchhandels einleiten, ist Johannes Fust, Mainzer Unternehmer und Anwalt, der bereits Gutenberg für den Aufbau seiner Werkstatt Geld geliehen hat, nach Streitigkeiten und dem Ende der Partnerschaft jedoch gemeinsam mit Gutenbergs ehemaligem Mitarbeiter Peter Schöffer eine Druckerei betreibt, aus der sich nun auch ein Verlag entwickelt. Fust und Schöffer, sowie später Konrad Henckis, der nach Fusts Tod dessen Witwe heiratet und Schöffers Teilhaber wird, nutzen zunächst die schon seit ein paar Jahrhunderten stattfindende Frankfurter Messe um ihre Bücher abzusetzen, doch schon ab Ende des 15. Jahrhunderts findet in der Stadt eine eigene Buchmesse statt. Bis ins 17. Jahrhundert ist die Frankfurter Buchmesse die bedeutendste in Europa, muss dann jedoch hinter der Leipziger Buchmesse zurückstehen. Ihr erneuter Aufstieg beginnt wieder, als sie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 1949 in einem recht überschaubaren Maße wieder aufleben lässt: es versammeln sich 205 deutsche Aussteller in der Paulskirche und zwar nicht im Oktober, sondern vom 18. bis 23. September.

freitagabendleitsystemVon dieser Überschaubarkeit, es wurde eingangs erwähnt, ist heute nichts mehr vorhanden. Stetig wuchs die Buchmesse an und neue Ideen kamen hinzu, so ist seit 2005 die erste Frankfurter Antiquariatsmesse angeschlossen, auch sie die weltweit größte, und auf fünf Tage im Oktober beschränkt sich längst nur noch die eigentliche Messe. Das ganze Jahr über jedoch stellt die Veranstaltung umfassende Online-Datenbanken bereit, vermittelt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen deutsche Literatur im Ausland und hat mittlerweile in etlichen ausländischen Städten sogenannte German Book Offices. Seit 2006 wird außerdem in Kapstadt die jährliche Cape Town Bookfair veranstaltet, ein Joint Venture zwischen dem südafrikanischen Verlegerverband und der Frankfurter Buchmesse. Dazu kommen noch unterschiedliche Förder- und Unterstützungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Stipendienprogramme. Und noch etwas nahm im Lauf der Jahrzehnte zu, nämlich die Zahl der

Preisverleihungen

Als Martin Walser am 11. Oktober 1998 in der Frankfurter Paulskirche seine Dankesrede als Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels hielt, sorgte er für einen Skandal. Viele, darunter Ignaz Bubis, der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, hielten die Rede für antisemitisch, andere ergriffen für Walser Partei, Politiker versuchten zu vermitteln, doch die Diskussion um Walsers Rede hält zum Teil bis heute an und ist untrennbar mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verbunden, jener Auszeichnung, die jährlich zum Abschluss der Buchmesse verliehen wird. Seit 1950 – damals noch als „Friedenspreis deutscher Verleger“, ab 1951 als Preis des gesamten Buchhandels durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels − geht die Ehrung an Persönlichkeiten, die sich nach Meinung der Stifter „durch literarische, wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeit zur Verwirklichung des Friedensgedanken in hervorgehobenem Maße verdient gemacht haben“.

Jedes Jahr im Januar geht der Börsenverein auf die Suche nach möglichen Preisträgern der mit 25 000 Euro dotierten Ehrung und lädt die Bevölkerung ein, Vorschläge einzureichen. Hinreichend begründet und belegt müssen diese allerdings schon sein, und Scherzbolde, die daran denken sich selbst vorzuschlagen, haben keine Chance, denn Selbstvorschläge sind nicht erlaubt. Dieses Jahr war offensichtlich Claudio Magris unter den Vorgeschlagenen, denn den Literaturprofessor und Schriftsteller aus Triest wählte der Stiftungsrat des Friedenspreises, dem die Auswahl obliegt, als diesjährigen Preisträger und damit als Nachfolger so unterschiedlicher Persönlichkeiten wie Theodor Heuss, Astrid Lindgren, Friedrich Schorlemmer oder Orhan Pamuk aus. Magris dürfte im Raum Ulm allein schon deshalb bekannt sein, weil er das Buch Donau – Biographie eines Flusses geschrieben hat.

Jury_dbp_2008_02Wenn Magris am letzten Tag der Buchmesse den Friedenspreis entgegen nimmt, haben andere bereits Preise erhalten, denn seit 2005 wird am Tag vor der Eröffnung der Messe der Gewinner des Deutschen Buchpreises bekanntgegeben. Zwar gibt es in der deutschsprachigen Literatur schon etliche Preise, doch wollen Verlage und Buchhandlungen viele Bücher absetzen, viele Schriftsteller gerne Preise bekommen und viele Feuilletonisten mit Jurysitzen versorgt sein, so dass es gar nicht genug Preise geben kann. Ein Preis, der an der medialen Aufmerksamkeit für die Buchmesse partizipiert und sich am französischen Prix Goncourt sowie am britischen Man Booker Prize orientiert, war deshalb von vielen erwünscht. So wurde der Vorarlberger Arno Geiger 2005 für seinen Roman Es geht uns gut als erster Preisträger erwählt.

Dass der Sieger tatsächlich der „beste Roman deutscher Sprache“ ist, wie die Stifter – unter anderem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Stiftung der Frankfurter Sparkasse und die Stadt Frankfurt − glauben, mag nicht jeder so sehen. Es handle sich, so bemängelten einige Schriftsteller vergangenes Jahr, um einen Marketingpreis, der vor allem den bestsellersüchtigen Buchhandelsketten nütze und willkürlich nach „außerliterarischen“ Kriterien ausgewählt werde. Auch die deutschsprachigen Independent-Verlage wollten nicht glauben, dass preiswürdige Literatur nur bei den großen Verlagen zu finden sein soll und setzten dieses Jahr erstmals der im August erschienenen, 20 Titel umfassenden, Longlist des Buchpreises ihre eigene Hotlist entgegen. Erst diese Liste, erklärten sie, bringe „die Gegenwartsliteratur zum Leuchten“. Wie lange die Independent-Verlage gebraucht haben um die Hotlist zusammenzustellen, ist nicht bekannt, das Auswahlverfahren für die Longlist zieht sich jedenfalls über mehrere Monate hin. Mittlerweile hat die Buchpreis-Jury, wie das jedes Jahr Mitte September geschieht, auch die Shortlist, auf der die sechs endgültig Nominierten stehen, bekanntgegeben. Fünf von ihnen erhalten je 2500 Euro Preisgeld, der sechste wird Gewinner des Buchpreises 2009 und bekommt 25 000 Euro. Einen Hotlist-Preis wird es ebenfalls geben, abstimmen dürfen hier die Leser und der Sieger darf immerhin 5000 Euro einstreichen.

Wer sich seine eigene Meinung bilden möchte, muss sich die Zeit nehmen, die Bücher selbst zu lesen. Das Stichwort Zeit aber, führt geradewegs zu Momo, Michaels Endes Romanfigur im Kampf gegen die Zeitdiebe, und zum Deutschen Jugendliteraturpreis, gestiftet vom Bundesfamilienministerium. Je 8000 Euro und eine bronzene Momo-Plastik erhalten die Sieger in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch, zusätzlich vergibt die Erwachsenenjury einen mit 10 000 Euro dotierten Sonderpreis für das Gesamtwerk eines Autors. Die Jugend hat jedoch auch etwas zu melden: auf den Gewinner des mit ebenfalls 8000 Euro dotierten Preises der Jugendjury müssen sich Jugendliche aus sechs Leseclubs in Deutschland gemeinsam einigen.

Der Ehrengast

Wer repräsentiert die katalanische Literatur? Nur wer in katalanischer Sprache schreibt oder auch jene katalanischen Autoren die sich in spanischer Sprache ausdrücken? Diese Frage führte im Jahr 2007 zu ausführlichen Diskussionen, denn als Ehrengast der Buchmesse war die katalanische Literatur geladen und die Organisatoren in Barcelona waren der Meinung, nur katalanisch schreibende Schriftsteller sollten diese vertreten. Es ist also dieses Jahr nicht das erste mal, dass der Ehrengast für Diskussionen sorgt, seit die Buchmesse 1988 den Brauch einführte, jedes Jahr ein Gastland oder eine Gastregion in den Mittelpunkt der Messe zu stellen. Erstes Gastland war 1988 Italien, seither folgten unter anderen Japan, Litauen und Mexiko, nächstes Jahr begrüßt Buchmesse-Direktor Juergen Boos Argentinien. Indien hatte die Ehre zweimal zu Gast zu sein, einmal 1986, als es zwar noch keine Gastländer oder -regionen, dafür aber alle zwei Jahre thematische Schwerpunkte gab und einmal 2006. Zu verdanken hatte das Land dies dem lebendigen indischen Buchmarkt, dafür waren die USA noch nie Gastland, auch weil die Amerikaner selbst wenig Interesse haben, da sie ohnehin zu den größten Ausstellern gehören.

Die Organisation des Ehrengast-Auftritts übernehmen die Gäste, doch auch die Buchmesse widmet dem Schwerpunkt-Land Veranstaltungen. Während der jeweilige Gast ein kulturelles Rahmenprogramm mit Lesungen, Ausstellungen und sonstigen Darbietungen präsentiert, organisiert die Messe eine Sonderausstellung mit Titeln zur Kultur, Geschichte und Gegenwart des Landes und sorgt dafür, dass internationale Verlage ihre Titel zum Ehrengast präsentieren können. Auch gibt es, neben den Autorenveranstaltungen auf der Messe, in Frankfurt und Umgebung zahlreiche kulturelle Veranstaltungen die dem jeweiligen Schwerpunkt-Land gewidmet sind und von unterschiedlichen Organisationen getragen werden.

buchmesseplakatChinesinNachdem die Buchmesse-Organisatoren, so konnte man lesen, etwa zehn Jahre mit China verhandelt hatten, sind die Asiaten nun heuer Ehrengast, Teil ihrer Delegation sind jedoch nur Autoren, die nicht dem dissidenten Milieu angehören. Dafür, dass auch die Dissidenten Auftrittsmöglichkeiten bekommen, mussten also andere sorgen. Sie luden unter anderen ein: Ai Weiwei, Liao Yiwu und Ma Jian. Der Künstler Ai Weiwei sagte mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen ab, nachdem er im Sommer in China verprügelt worden war, erlitt er als Folge ein Gerinnsel im Kopf, der Schriftsteller Liao Yiwu darf nicht ausreisen, der Schriftsteller Ma Jian, so sieht es bislang aus, wird kommen, denn er lebt seit 1999 in London. Anfang der achtziger Jahre gehörte Ma Jian der künstlerischen Bohème Pekings an, die gemeinsam nächtelang feierte, liebte und über westliche Literatur diskutierte, etwas, was sie mit jungen Künstlern in Ostberlin teilte, die ebenfalls der spießigen Enge entkommen wollten. Brutalere Ausmaße als in der DDR nahm jedoch die Unterdrückung solcher Individualisten an. 1989 beteiligte sich Ma Jian an den Demonstrationen für mehr Freiheit, nun erschien in Deutschland sein Buch Peking Koma über einen jungen Mann, der beim Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens von einer Kugel getroffen wird und ins Koma fällt.

Das offizielle China wird sich über seinen Auftritt nicht freuen. Schon im September wollte man den Auftritt zweier dissidenter Schriftsteller auf einem Symposium verhindern, was zu Diskussionen über den Umgang mit der Diktatur China führte. Die Buchmesse glaubte offenbar, den Chinesen entgegenkommen zu müssen, viele Journalisten sahen das anders. Besonders die Feuilletonisten, denen Machtausübung fremd ist und für die es undenkbar wäre, dass unbotmäßige Künstler oder Theaterintendanten unterdrückt werden, fühlten sich verpflichtet, massive Kritik an Juergen Boos zu üben. Einige Sinologen wiederum wollten China mehr Zeit für den Wandel geben. 

Fest steht, dass der Ehrengast auf der Messe unter dem Motto „Tradition und Innovation“ sein eigenes Programm bietet, in dem die Gäste einiges über Papierschnitte, Schatten- und Puppenspiele, Bücher und Kunstgegenstände verschiedener Epochen, sowie chinesische Handwerkskunst vermitteln, zudem präsentieren sich die chinesischen Verlage in den Hallen. Natürlich eröffnet das Gastland seine Präsentation auch standesgemäß, denn die Chinesische Nationaloper Peking ist Teil der Entourage. Dennoch dürfte der Situation der Menschen im Riesenreich, gerade durch die Einladung des Landes, große Aufmerksamkeit zu Teil werden, da die Medien hierzulande dafür sorgen, dass Unrecht, das in Ländern wie China geschieht, nicht einfach unter den Teppich gekehrt wird.

Dolce Vita, Wein und Kunsthandwerk

Das Haus des bereits erwähnten Peter Schöffer, der Gutenbergs Methode vervollkommnete und so maßgeblich zum Erfolg des Buchdrucks und Buchhandels beitrug, nannte man in Mainz übrigens den Schöfferhof. Später entstand in diesem Haus eine kleine Privatbrauerei, weshalb heute „die Bier, die so schön at geprickelt in meine Bauchnabel“ nach dem Schöfferhof benannt ist. Da stellt sich die Frage, ob das champagnermäßige Prickeln ausreicht, um in der Gourmet Gallery ausgeschenkt zu werden.  „Dolce Vita in Halle 5.0“ versprechen die Veranstalter mit diesem neuen Angebot, das erstmals Gourmetverlagen und Kulinarikanbietern eine eigene Plattform bietet. Auf dem Programmzettel: Shows mit Starköchen und prominenten Gästen, Weindegustationen, Schmankerln zum Probieren und diverse Veranstaltungen für Fachbesucher, Buchhändler und allgemeines Publikum.

Auch früher schon mussten die Messebesucher jedoch nicht hungern und dürsten, und bei dieser Gelegenheit sollte man vielleicht erwähnen, dass Bücher nur gut vierzig Prozent der auf der Messe ausgestellten Erzeugnisse ausmachen, ein knappes Drittel entfällt auf digitale Medien, außerdem präsentieren sich auf der Messe mittlerweile Zeitschriftenverlage, die Spielwarenmesse Nürnberg sowie Software- und Multimedia-Anbieter. Auch schon länger im Programm: ein Kunst- und Kreativmarkt mit kunsthandwerklichen Produkten zum Stöbern und Kaufen. Sicher keinen Zugang hat der gewöhnlich Sterbliche zu den abendlichen Parties der Verlage und so muss er sich damit begnügen, in der Zeitung darüber zu lesen, welcher Schriftsteller so sternhagelvoll war, dass er zweimal von der Rowohlt-Party flog. Ansonsten gilt

Für Interessierte:

Eröffnet wird die größte Buchmesse der Welt am Dienstag, 13. Oktober um 17 Uhr im Congress Center Messe Frankfurt. Zur Eröffnungsfeier im Saal Harmonie hat allerdings nur Zutritt wer persönlich eingeladen wurde, diese Glücklichen dürfen dann mit Angela Merkel, die ihr Kommen bereits zugesagt hat, der Veranstaltung beiwohnen. Die eigentliche Buchmesse dauert von Mittwoch, 14. bis Sonntag, 18. Oktober. Sollten Sie auch einmal Lust haben, die Veranstaltung zu besuchen und den ein oder anderen Autor bei einer Lesung oder Podiumsdiskussion zu erleben: die ersten drei Messetage sind dem Fachpublikum vorbehalten, am Wochenende aber sind auch Sie herzlich willkommen. Geöffnet ist am Samstag, 17. Oktober von 9 bis 18:30 Uhr und am Sonntag, 18. Oktober von 9 bis 17:30 Uhr, eine Tageskarte kostet 14 Euro, für Gruppen ab 20 Personen 12 Euro, das Wochenendticket gibt es für 20 Euro und Schüler kommen für 7 Euro in den Genuss der Messe. Wer noch mehr Informationen möchte, findet sie unter www.buchmesse.de.

Fotos von oben nach unten:

Das zweisprachige Leitsystem der Buchmessse. Copyright: Frankfurter Buchmesse.

Diese Jurymitglieder bestimmten 2008 Uwe Tellkamp zum Gewinner des Deutschen Buchpreises: Dr. Michael Schmitt, Dr. Martin Ebel, Manfred Keiper, Jens Jessen, Dr. Meike Feßmann, Dr. Rainer Moritz, Dr. Christoph Bartmann (v. l. n. r.).
Copyright: Harald Schröder.

Das Plakat zur Frankfurter Buchmesse 2009, abgestimmt auf den Ehrengast China. Copyright: Frankfurter Buchmesse.

9. Oktober 2009

 

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