rääse Weiber
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Wilhelm Bolkarts schwäbische Limericks Rääse Weiber

Alles über rääse Weiber

 

SchwäbischeLimericksCoverWenn Männer auf Kur gehen, kommen sie offenbar auf die seltsamsten Ideen, der Ulmer Wilhelm Bolkart zum Beispiel dachte sich, er könnte mal Limericks über Frauen verfassen, denen nachgesagt wird, sie seien rääs. Zurück von der Kur wurde der Mann gar völlig übermütig und dichtete zu den sieben Limericks, die ihm in Bad Rappenau eingefallen waren, gleich noch gute 130 hinzu. Das Ergebnis des Ganzen war, dass am Ende ein kleines Büchlein mit rund 140 schwäbischen Limericks herauskam.

Schwäbisch mit hochdeutscher Übersetzung

Rääse Weiber heißt das kleine Buch, das 2010 beim C & S Verlag erschien. Wie richtige Limericks sind es Fünfzeiler, deren erste Zeile eine Personen- und eine Ortsangabe enthält und wie richtige Limericks haben sie das Reimschema aabba, das heißt es reimen sich stets die erste, zweite und fünfte, sowie die dritte und vierte Zeile. Mit dem Versmaß haut es allerdings nicht wirklich hin und so sind es keine „ganz richtigen“ Limericks, sondern limerickartige Verse oder eben schwäbische Limericks, also etwas rääs halt. Vor allem aber, sind sie auf schwäbisch geschrieben, jedoch bekommt der Dialekt-Unkundige eine hochdeutsche Übersetzung mitgeliefert. Vermutlich könnte er sonst auch nichts verstehen von einem Limerick wie diesem:

`s räße Weib vo Bad Rappenau,
Ka oifach `s Schimpfa ond Bruddla id lau,
Dr Ma lässt sich dees id g’falla,
Sauft, bis er nur no ka lalla:
Weib, du bisch halt a reacht blöde Sau.

Der geneigte Leser merkt hier schon: Dieses Buch ist nichts für feinsinnige Literaturfreunde, sondern eher etwas für Leute, die den derberen Humor lieben, also selber etwas rääse eben. Fragt sich für jene, die den Begriff nicht kennen nur noch, was das eigentlich ist, rääs oder − das Buch legt sich hier nicht auf eine Schreibweise fest – räß? Nun: Ist ein Wein rääs, dann schmeckt er sauer, ist eine Speise rääs, dann schmeck sie scharf, streng oder auch beißend und wird eine Frau als rääs bezeichnet, dann hält man sie für unfreundlich, streitbar, und kratzbürstig. In Ulm dagegen, hier zitiert Bolkart den Journalisten und Buchautor Henning Petershagen, bedeutet rääs zu sein von „unverblümter Direktheit, die auch zum Überschreiten der Schmerzgrenze bereit ist“ zu sein.  

Rääse Weiber und domme Siacha

Können Männer also nicht auch rääs sein? Doch, doch, glaubt Bolkart offenbar, heißt es doch in einem weiteren Limerick: „`D jonge Räße vo Schmiecha/Hod als Freind an no räß‘ra Siacha“. In erster Linie aber sind Männer wohl kähl oder dumm. Bolkart, er stammt übrigens aus dem Kommissar-Kluftinger-Ort Altusried im Allgäu, hat nämlich schon wieder gedichtet und würde gerne, wenn er einen Verleger findet, ein weiteres Büchlein veröffentlichen. In diesem soll es „der Gerechtigkeit halber“ auch um „kähle ond domme Siacha“ gehen. Dabei findet der Autor doch in Wahrheit die rääsen Weiber gar nicht so übel, ganz im Gegenteil: Er liebt sogar eines und das schon sehr lange.

Wilhelm Bolkart: rääse Weiber, C & S Verlag, 64 Seiten, 6,80 Euro. Erschienen im Oktober 2010. Das Buch ist zu erwerben über die Buchhandlung May in Söflingen.

3. Januar 2012

 

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