Sophie Scholl
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Michael Döhmanns Erzählung Sophie Scholl – Die Jahre in Ulm

Allen Gewalten zum Trotz

 

DöhmannScholl„Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten“ – so heißt es im Goethe-Gedicht Feiger Gedanken. Im Nationalsozialismus war dies die Losung der Familie Scholl, Hans Scholl soll sie noch im Gefängnis an die Zellenwand geschrieben haben. Nun steht das verkürzte Zitat „allen Gewalten zum Trotz“ auch als Motto über der Erzählung Sophie Scholl – Die Jahre in Ulm, die Ende November 2012 im Verlag Klemm+Oelschläger erschien. Verfasst hat sie der Autor, Maler und Illustrator Michael Döhmann. 

Das Buabamädle Sophie Scholl

Im Februar werden es 70 Jahre, dass Hans und Sophie Scholl sowie beider Freund Christoph Probst von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. Schon im November erschien die Erzählung Sophie Scholl – Die Jahre in Ulm, die auf knapp 120 Seiten von dem „Buabamädle“, wie sie ihrer Frisur wegen genannt wurde, erzählt. Für seine Geschichte sprach Michael Döhmann mit Elisabeth Hartnagel, der Schwester von Hans und Sophie Scholl, auch Quellen des Stadtarchivs Ulm sowie Briefe der Geschwister zog er heran. Das Buch ist mit Aquarallen, die Döhmann selbst gemalt hat, illustriert. 

Die Erzählung beginnt am Tag der Ankunft der Scholls in Ulm, wohin die Familie − Vater Robert, Mutter Lina und die fünf Kinder Inge, Elisabeth, Hans, Sophie und Werner − aus Forchheim gezogen war. Döhmann schildert, wie Sophie sich allmählich an die Stadt gewöhnt, wie bald die Nationalsozialisten an die Macht kommen und zuerst Inge, später auch Hans und Sophie begeistert sind. In der Familie führt das zu Konflikten mit dem Vater, wenn dieser das Hitlerbild von der Wand nimmt, hängt es Hans wieder auf. Später kommt Robert Scholl für zwei Monate ins Gefängnis. Zu diesem Zeitpunkt hat bei seinen Kindern längst ein Wandel eingesetzt, der sich vollendet, als Hans und Sophie als Mitglieder der Weißen Rose in München Flugblätter verteilen. Am 18. Februar 1943 werden Sie entdeckt, verhaftet und vier Tage später zusammen mit Christoph Probst hingerichtet.

Für jugendliche Leser

Das alles schildert Döhmann, indem er knapp und in einer sehr reduzierten Sprache die historischen Ereignisse, zum Beispiel die Reichspogromnacht, den Angriff auf Polen oder Goebbels Rede im Berliner Sportpalast mit Erlebnissen der Familie Scholl und speziell mit Sophies Gedanken und Erlebnissen zu einer Geschichte montiert, die das Geschehen von der Ankunft in Ulm im Jahr 1932 bis zum 17. Dezember 1944, als die Stadt durch britische Bomber zerstört wurde, schlaglichtartig nacherzählt. Es ist also keine Erzählung für Leser, die einen großen schöpferischen und literarischen Wurf erwarten, vielmehr ist sie interessant für jugendliche Leser und alle anderen, die ein wenig über Sophie Scholl, ihre Familie und die Verhältnisse damals in Ulm erfahren wollen.

Michael Döhmann: Sophie Scholl – Die Jahre in Ulm, Klemm+Oelschläger, 120 Seiten, 14,80 Euro. Erschienen im November 2012.

13. Januar 2013

 

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