Ulm im Wandel
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Elvira Lauschers Bildband Ulm im Wandel

Das alte, das zerstörte und das neue Ulm

 

ulm_im_wandel_978-3-8313-2239-8Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, war die Ulmer Altstadt zu mehr als 80 Prozent zerstört und musste wiederaufgebaut werden. Das geschah oft nicht mit großer Umsicht und so schlug beispielsweise die Neue Straße eine breite Schneise mitten durch die Altstadt. Diese Bausünde wurde mittlerweile korrigiert und jeder Ulmer kann heute tagtäglich sehen, wie die Neue Mitte nun aussieht. Doch dass dort früher einmal der Hauptwachplatz mit einem Musikpavillon war, wissen nur noch die Älteren. Wie es in Ulms Zentrum früher aussah, welche Zerstörungen die Bomben der Alliierten hinterließen und welchen Eindruck das heutige Ulm macht, zeigt der Ende Oktober im Wartberg Verlag erschienene Bildband Ulm im Wandel von Elvira Lauscher anhand zahlreicher Fotos, begleitet von erläuternden Texten.

Archiv- und Privatfotos

„Das ursprüngliche Ulm, dann die Kriegszerstörungen und schließlich den Wiederaufbau“ zu zeigen, so erklärt die gebürtige Ulmerin im Vorwort war ihr Ziel. Bilder von Gebäuden, die im Krieg verschont blieben, beispielsweise das Schiefe Haus, fehlen deshalb. Was zu sehen ist, ist das, was wieder aufgebaut werden musste, aktuell abgelichtet, mit einer Ausnahme, von der Verfasserin selbst. Die Fotos der alten und der kriegszerstörten Stadt wurden zum Teil von Privatpersonen zum Teil von Archiven zur Verfügung gestellt. So entstand ein, vom Verlag sehr schön gestalteter Band, der hauptsächlich das Zentrum der Stadt in den Jahren vor dem Krieg, im Zustand der Zerstörung und nach dem Wiederaufbau zeigt.

Wäsche trocknen an der Donau

Das Buch beginnt dort, wo auch die Geschichte Ulms begann, nämlich auf dem Weinhof und es endet mit dem vom Krieg kaum zerstörten Münster – lediglich der Chor wurde durch Bomben beschädigt – dessen Anblick, seit 1993 durch das Stadthaus eine moderne Ergänzung bekommen hat. Zu jedem Bauwerk, Häuserensemble oder Straßenzug sind in der Regel drei Fotos abgebildet, von denen eines meist den Zustand der 20er oder 30er Jahren zeigt, eines die zerbombten Bauwerke und das dritte den heutigen Zustand. So ist etwa neben der Stadtmauer mit Donauufer aus dem Jahr 1926, als an der Donau noch Wäsche aufgehängt wurde , die Mauer mit Bombenloch auf Höhe des Fischerplätzles zu sehen und schließlich zeigt ein aktuelles Foto die anlässlich des Donaufestes bunt beflaggte Mauer.

Zahlreiche Bilder geben einen Überblick über ganze Straßenzüge oder Viertel, präsentieren etwa einen Blick vom Münster Richtung Oststadt oder über die zerstörte Hirschstraße, durch die nach dem Wiederaufbau in den 60er Jahren noch Busse fuhren, während sie inzwischen längst Fußgängerzone ist. Heute wie damals wurde über manches Gebäude gestritten, nach dem Krieg etwa darum, ob der Bürglenhof mit seinem Arkadenhof abgerissen oder wiederaufgebaut werden soll. Er wurde abgerissen und mittlerweile steht dort die Friedrich-List-Schule – zum Bedauern einiger alter Ulmer und wohl auch der Autorin, wie aus dem Begleittext herauszulesen ist.

Gespräche mit Zeitzeugen

Die Texte lassen häufig Zeitzeugen, die als Kinder die Kriegsjahre erlebten, zu Wort kommen. So erzählt die Mutter Elvira Lauschers, wie sie die Bombardierung vom 17. Dezember 1944 wahrnahm. Auch Wolfgang Finkbeiner, 1944 ein 15-jähriger Gymnasiast, kommt zu Wort. Anfangs waren ihm seine Erlebnisse als Luftwaffenhelfer noch vorgekommen „wie Karl May spielen, bis es ernst wurde“. Ernst wurde es für ihn im September 1944, als auf den Söflinger Flakstand, an dem er stationiert war, ein Bombenhagel niederging. Weil der Kommandeur vorher befohlen hatte, dass jeder der Buben ein Einmannloch gräbt und Finkbeiner seines gut verschalt und stabilisiert hatte, überlebte er und konnte ausgegraben werden.

Eine wissenschaftliche Aufarbeitung, so erklärt Elvira Lauscher im Vorwort, will das Buch nicht sein. Lauschers Anliegen ist es, einfach nur in Bildern das alte, das zerstörte und das wiederaufgebaute Ulm zu zeigen, begleitet von Texten, die manches Detail verraten. Das ist der Autorin auch gelungen, lediglich bei der Anordnung könnte man bemängeln, dass der Beitrag über die von den Nationalsozialisten zerstörte und abgerissene Synagoge eher als eine Art Prolog an den Anfang gehört hätte als zwischen die kriegszerstörten Bauwerke. Das würde besser wiedergeben, dass, wie Lauscher im Vorwort keineswegs vergisst zu erwähnen, der Nationalsozialismus ursächlich für die Bombardierungen der Alliierten war. 

Elvira Lauscher: Ulm im Wandel, Wartberg, 64 Seiten, 17,90 Euro. Erschienen im Oktober 2011.

24. November 2011

 

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