Unser Backbuch
Search for:

fehrgelesen

Das Literaturportal für die Region Ulm/Neu-Ulm

Elvira Lauschers Unser Backbuch der 50er und 60er Jahre

Backen wie vor Jahrzehnten

 

BackbuchLauscherElvira Lauscher schreibt nicht nur gerne Kurzgeschichten, Gedichte und andere Texte, sie kocht und backt auch mit Leidenschaft und so hat sich die Autorin daran gemacht, Backrezepte aus den 50er und 60er Jahren zu sammeln. Circa 75 Rezepte kamen auf diese Weise zusammen − alle aufgeführt in einem im Oktober im Wartberg Verlag erschienen Buch. 

Die Zusammenarbeit mit Wartberg ist für Elvira Lauscher nicht neu, schon im Jahr 2010 erschien dort Unser Kochbuch der 70er Jahre und ein Jahr später der Bildband Ulm im Wandel. Nun kam also noch Unser Backbuch der 50er und 60er Jahre hinzu. Dabei, so erklärt die Autorin im Vorwort, unterschieden sich die beiden Jahrzehnte teilweise deutlich voneinander. Anfang der 50er war nicht nur der Mangel der Nachkriegszeit noch deutlich bemerkbar, es gab auch kaum technische Küchengeräte. In den 60ern war die Küchenausstattung dagegen schon eine andere, obwohl viele von den heute selbstverständlichen Gerätschaften auch damals noch nicht zur Verfügung standen, immerhin aber häufig schon ein Elektroherd inklusive Bratröhre und für die eine oder andere Hausfrau auch bereits eine Rührmaschine.

Rezepte aus verschiedenen Quellen

Elvira Lauscher, ein Kind der 60er, kann in diesem Fall, anders als in ihrem 70er-Jahre-Kochbuch, jedoch nicht aus eigenem Erleben berichten. Enthielt das Kochbuch neben Rezepten auch Erinnerungen an die 70er mit ihren Prilblumen, der Vorliebe für die Farbe Orange und den autofreien Sonntagen, außerdem viele Familienfotos, muss das Backbuch leider ohne solche Einsprengsel auskommen. Enthalten sind allerdings einige Tipps aus den 50ern und ein paar wenige Erinnerungen von Menschen, die ihr Rezepte aus jener Zeit verrieten. Gesammelt hat die Verfasserin die Backanleitungen nicht nur im Verwandten- und Bekanntenkreis sowie über die sozialen Netzwerke, sondern sie hielt auch eine Lesung für Senioren. Im Gegenzug gab’s Rezepte von den älteren Herrschaften. Zu diesen gehören solche für süße und herzhafte Kuchen, Torten, Klein- und Weihnachtsgebäck, außerdem für Knabbereien, Brote und Brötchen. Den eigentlichen Backanleitungen vorangestellt sind einige Grundrezepte für Teige, Buttercremes, Füllungen wie Nuss- oder Mohnfüllung und Glasuren, etwa die beschwipste helle Glasur.

Die Grundrezepte werden für viele der nachfolgenden Leckereien gebraucht. Zu diesen gehören Salz- und Käsestangen genauso wie Porreetorte, 

Hefeschnecken, Schuhsohlen, Grahambrot, Zimtsterne, Stollen oder Haselnusstorte. Für Letztere bekam Elvira Lauscher das Rezept von einer der Seniorinnen aus der Lesung. In die Torte kommen acht Eier, weshalb sich die vielköpfige Familie diese nur zu den Konfirmationen leisten konnte, daher wurde sie auch Konfirmationstorte genannt. Eine wirkliche Torte ist es allerdings nicht, sondern eigentlich ein Haselnusskuchen − für die Familie und sicher auch für viele andere Familien damals aber war sie trotzdem etwas Besonderes. So bescheiden lieben es Bischöfe nicht immer, bei ihnen ist schon das Brot vergleichsweise luxuriös, jedenfalls gehören in ein Bischofsbrot Haselnüsse, Rosinen und Mokkabohnen oder, als Alternative, gehackte Schokolade.  

Keine Fotos, aber hübsche Zeichnungen

Sehen können die Leser das Bischofsbrot und die anderen Brote, Torten, Kuchen und Gebäcke nicht, denn das Buch enthält keine Fotos, so wie dies auch in den Koch- und Backbüchern der 50er Jahre nicht üblich war, dafür aber gezeichnete Kuchenstücke und Plätzchen, Teige und Früchte sowie ein paar Motive mehr von Sabine Laubig. Wer Fotos sehen möchte, muss sich auf die Facebook-Seite von Elvira Lauscher begeben. Eine noch bessere Idee ist es, all die Rezepte im Laufe der Zeit nachzubacken und die Ergebnisse dann im Original zu betrachten. Das hat den Vorteil, dass nach den Augen auch noch der Magen etwas davon hat.

Elvira Lauscher: Unser Backbuch der 50er und 60er Jahre, Wartberg, 96 Seiten, 12,90 Euro. Erschienen im Oktober 2013.

3. November 2013

 

Hat Ihnen die Besprechung gefallen? Sie können fehrgelesen unterstützen, indem Sie für die ganze Seite oder für diesen Artikel einen kleinen Betrag zukommen lassen. 

 

zurück