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Elvira Lauscher: Unser Kochbuch der 70er Jahre

Ein Kochbuch mit vielen Zutaten

 

Rezepte aus dem Jahrzehnt der Partyspießchen, Prilblumen und autofreien Sonntage serviert Elvira Lauscher in ihrem Buch Unser Kochbuch der 70er Jahre, erschienen im August im Wartberg Verlag und gewürzt mit Fotos, Erinnerungen, zeitgeschichtlichen Einsprengseln und allerlei Wissens- und Staunenswertem rund ums Thema Nahrungsmittel. Die Ulmerin ist hier in der Region vor allem für ihre gemeinsamen Auftritte mit Jörg Neugebauer als Duo Wortkunstlauf bekannt. Nun wartet sie, selbst in den 70ern aufgewachsen, mit einem Kochbuch auf, das Kaltem Hund, Falschem Hasen und Mettigel gewidmet ist.

Typisch 70er Jahre: Russische Eier und die Farbe Orange

Zwölf Kapitel, von denen jedes mit einer kurzen Einführung beginnt, enthält das Buch. Vorangestellt ist jeweils ein Foto aus jener Zeit, entnommen dem privaten Familienalbum der Autorin. Den Rand nicht nur dieser, sondern aller Seiten, ziert ein Design im Stil einer 70er-Jahre-Tapete, alles in Orangetönen und mit vielen großen Kreisen, was sich auf dem von Markus Kutscher gestalteten Einband fortsetzt. Auch das Umschlagfoto stammt unverkennbar aus den 70ern und da sich Elvira Lauschers Kindheit und Jugend in jenen Jahren abspielte, beginnt das Buch mit dem, was fast alle Kinder mögen: Unter der Überschrift Raider, Brauner Bär und Zuckerhase geht es in diesem Kapitel um viel Süßes für Kinder, aber auch um bunte Schleifchensalate und Würstchen im Schlafrock.

Wenn das Kochbuch mit der süßen Kindheit beginnt, so endet es mit den Teenagerjahren, der Diätwelle und Magermodell Twiggy. Dazwischen geht es um Weihnachtsplätzchen, Sonntagsmahl, Kuchen, Torten, und Schnitzel ungarisch, denn man verreiste gern mal ins europäische Ausland und kochte daheim ein paar Gerichte nach. Auch Fertiggerichte verwendete man in den 70ern gerne, außerdem Innereien und Eier. Es fehlen auch nicht die Rezepte für den schmalen Geldbeutel, Bowlen, Cocktails und sonstige 70er-Jahre-Getränke, und natürlich widmet sich ein Kapitel der 70er-Jahre-Party mit den bunten Spießchen, Russischen Eiern und Fliegenpilzen aus Tomaten.    

Die Würze: Kindheitserinnerungen und Alltagsleben in den 70ern

Das alles darf man von einem Buch, das sich Unser Kochbuch der 70er Jahre nennt erwarten. Zwischen Bitzel-Kuchen, Nieren mit Pfifferlingen, Suppen, Arme-Leute-Gerichten, Blue-Lady und Blue-Boy findet man aber auch Kindheitserinnerungen und Einsprengsel rund ums Thema Essen, Küche, Alltagsleben. Wer nicht mehr weiß, wann der erste Tatort im Fernsehen kam: Elvira Lauscher verrät’s. Autofreier Sonntag? Weihnachtsgewürze? Der Römertopf? Rosemarie’s Baby? Die Erfindung des Eierlikörs? Die Ölkrise? Wird alles erwähnt im Kochbuch der 70er-Jahre.

Vor allem die Kindheitserinnerungen kommen nicht zu kurz, denn ein solches Unternehmen ist meist auch ein nostalgisches Unternehmen und ein Kochbuch ist kein gesellschaftskritisches Werk. Ein aufregendes Leseereignis ist das Kochbuch der 70er Jahre also nicht, aber für Kinder der 70er eine schöne Gelegenheit in Erinnerungen zu schwelgen und für die später Geborenen eine Möglichkeit darüber zu schmunzeln, wie die Eltern in den 70ern Kindheit und Jugend verbringen mussten – inmitten grauenvoller Tapeten und furchterregender Prilblumen.

Elvira Lauscher: Unser Kochbuch der 70er Jahre, Wartberg Verlag, 177 Seiten, 19,90 Euro. Erschienen im August 2010.

17. September 2010

 

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