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Adi Hübels Lyrikband verloren

Herbstgefühle

 

VerlorenHübelTrauer um Verlorenes und Vergängliches spielt eine große Rolle in Adi Hübels Gedichtband verloren, der Ende Oktober im Schweinfurter Wiesenburg Verlag erschien. Dass die Lektüre dennoch nicht traurig macht, hat seinen Grund nicht nur darin, dass hin und wieder auch heitere und tröstende Töne erklingen, sondern auch in der Schönheit mancher Gedichte.

Gedichte und Bilder

Nach der Veröffentlichung des Lokalkrimis Tod in Ulm im vergangenen Jahr, war für Adi Hübel nun wieder ein Lyrikband an der Reihe, es ist der dritte nach Der Sommer meiner Liebe und Versprechen. Den lachsfarbenen Rosen, die den ersten Band zierten und dem vielversprechenden roten Kussmund des zweiten, folgt nun ein Einband, der zeigt, dass es in diesem Buch weniger verheißungsvoll zugeht. Trüb wie eine Nebellandschaft im November kommt er daher. Dabei handelt es sich um ein Bild der Laupheimerin Ursula Sihler-Steidl – eines von sieben, denn wie es mittlerweile bei einem Hübel-Gedichtband schon guter Brauch ist, wird jedes Kapitel, insgesamt sind es also sechs, mit einem Beitrag einer Bildenden Künstlerin eingeleitet.

Trauer, Verlust und Vergänglichkeit

Die Malereien illustrieren Gedichte, über denen häufig ein Gefühl von Trauer, Wehmut und Verlust schwebt. Das hat wohl auch persönliche Gründe. Am Anfang des Buches steht eine Widmung „für Julian“ - ein Mitglied der Familie Hübel, wie die Autorin bei der Vorstellung des Buches am 9. November in der Theaterwerkstatt sagte, das die Angehörigen im Jahr 2010 verloren. Aber es geht nicht nur um Verlust durch Tod, auch verloren gegangene Liebe spielt beispielsweise eine Rolle. Häufig gehen die Empfindungen Hand in Hand mit der dazu passenden Jahreszeit, wie schon in vielen früheren Hübel-Gedichten. Den melancholischen Gefühlen entsprechend dominiert dieses Mal der Herbst. Das beginnt schon mit dem Gedicht Nebel über der Donau im ersten Kapitel irgendwo nirgendwo, wo sich der Turm im Unvollendeten auflöst, ganz so, wie es der Ulmer kennt, wenn der graue Novembernebel den Münsterturm einhüllt, wo die Brücken im Nirgendwo enden während sich das Lachen im Geäst der Sehnsucht verliert, und es setzt sich in vielen weiteren Poemen fort.

Männer, die gut riechen 

Auch der Winter wird bedacht, zum Beispiel in Erster Schnee, einem der schwäbischen Gedichte, denn guter Brauch ist es bei der Autorin mittlerweile auch, dass einige Poeme in schwäbischer Mundart geschrieben sind, ebenso dass es ein Kapitel unter der Überschrift Fitzelgedichte gibt. Dabei handelt es sich um vergleichsweise kurze Verse, in denen aus Fitzelchen anderer Gedichte oder Sprichwörter neue entstanden sind. Den Dialekt-Gedichten sind dieses Mal mit guck und heniger Hemmel sogar zwei Kapitel gewidmet. Ein paar der Verse waren auch schon im Band Versprechen abgedruckt oder erschienen im vergangenen Jahr in der Vorweihnachtszeit auf der CD S’Paradies.

Gerade wenn es im Buch schwäbelt, wird es manchmal auch heiter, wie in So isch des mit dera Liebe, wo es darum geht, dass irgendwann auch Schluss sein muss mit dem Liebeskummer, der Verflossene ist ja nicht der einzige Mann, der gut riecht.

Tulpenzwiebeln und Scherben, die noch brauchbar sind

Schließlich gibt es auch noch Tröstliches, etwa wenn in der Tasche des Winters bereits die Tulpenzwiebeln grummeln – das Zeichen dafür, dass es bald wieder Frühling wird und die Blumen blühen werden. Tröstlich ist es auch, dass sich der Mensch der Vergangenheit, die er mit sich trägt, stellen kann. Manchmal ist der Blick zurück dann gar nicht mehr so schlimm wie befürchtet, und selbst wenn er wehtut, kann er dennoch auch guttun. Und bricht der Himmel über einem zusammen, wie im Gedicht heniger Hemmel, dann sind vielleicht von den Scherben rings herum, doch noch etliche brauchbar und lassen sich wieder zusammensetzen. Auch das ist eine trostspendende Vorstellung.

Adi Hübel: verloren, Wiesenburg, 132 Seiten, 11,90 Euro. Erschienen im Oktober 2012.

2. Dezember 2012

 

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